Ironman 70.3 Italy 2018

Ironman 70.3 Italy 2018

Die Wahl zu einer Halbtdistanz für dieses Jahr, fiel zum zweiten Mal auf den Ironman 70.3 in Pescara. Halbdistanzen liegen mir eigentlich nicht so. Da fehlt mir die Zeit, nach dem schlechten Schwimmen aufzuholen. Daher machte ich mir keine Illusionen auf einen vorderen Platz.
Bei der Planung war mir völlig entgangen, dass zwischen den Wettkämpfen Lanzarote und Pescara nur zwei Wochen lagen. Aber als ich es bemerkte, war es zu spät.

Stefan mochte die kleine italienische Hafenstadt, welche, wenn sie auch keine besondere Schönheit ist, sich dennoch einen Namen für Ihre besonders guten und vielfältigen Fischgerichte gemacht hat.
Als ich 2015 in Pescara war, hatte ich großen Respekt vor der Schwimmstrecke, da ich noch nie so weit im Meer geschwommen war. Aber die Adria ist an dieser Stelle zumeist gutmütig und für Meeresschwimmanfänger bestens geeignet, dort erste Erfahrungen zu sammeln.

Vor zwei Wochen erst hatte ich die brettharte Langdistanz auf Lanzarote gefinished und meine Regeneration war theoretisch noch nicht abgeschlossen, aber praktisch fühlte ich mich fit.
Als wir ankamen, schüttete es wie aus Eimern, es hagelte golfballgroße Eisbrocken und Stefan fluchte, als er unser winziges Zimmer in unserem Hotel sah. Das Hotel aber lag direkt am Geschehen, was natürlich ein Riesenvorteil war.

Am nächsten Tag war das Wetter schon besser und am Wettkampftag strahlte die Sonne aus wolkenlosem Himmel.
Bis zur letzten Minute, kurz bevor die T1 schloß, war nicht sicher, ob mit Neopren geschwommen werden durfte. Letztes Jahr und 2016 gab es Neoverbot. Ich hatte Tags zuvor vorsichtshalber ohne Neo Tuchfühlung mit dem Wasser genommen und war mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden. Nun aber kam die Ansage, dass Neopren erlaubt sei und ich war fast ein bisschen enttäuscht.

Der Start war zwischen 9:00 und 9:30 angekündigt worden. Ich gönnte mir den Luxus des Einschwimmens, aber ich wurde um 8:45 aus dem Wasser gejagt und stand schließlich gemeinsam mit den den anderen Athleten am Start. Zum ersten Mal gab es in Pescara einen Rolling-Start und ich ordnete mich demütig in die 44-Minutengruppe ein. Dort standen wir im Neopren eine geschlagene Stunde in der prallen Sonne. Es waren keine Profis gemeldet. Man hatte zunächst die 5010- Teilnehmer starten lassen und wartete ab, bis der letzte Schwimmer an Land kam. Immer wieder flüchteten wir unter die Duschanlage, um uns keinen Hitzschlag zu holen.

Endlich kam das erlösende Startsignal und wir stürzten ins Wasser, das hieß, man lief eine Weile im Wasser, da der Strand sehr flach abfällt und es dauert, bis man eine gewisse Schwimmtiefe erreicht hatte. Ich fand schnell meinen Rhythmus und auch der kurze Landgang nach 1.100m brachte mich nicht heraus. Als ich mir die Badekappe von Kopf zog, stand Stefan unverhofft unter den Zuschauern. Ich jubelte und gab ihm einen Kuss. Beflügelt davon und von meiner persönlich Bestzeit von 36 Minuten bei einem IM 70.3, stieg ich ohne Sonnenschutz aufs Rad. Man hatte die Radstrecke stark vereinfacht. Statt durch die wunderschönen Abbruzzenhügel ging es mit drei Runden auf die Autobahn. Dadurch kamen statt der vorherigen 1000 Höhenmetern nur noch knapp 300 zustande. Die herrliche Radstrecke durch die grüne Hügellandschaft fiel weg. Darüber war ich ziemlich enttäuscht und hätte ich das vorher gewusst, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich trotzdem angemeldet hätte, aber die Nachricht über die Änderung kam, wie auch schon beim IM Lanzarote, erst ein paar Wochen vorher.

Der einzige Vorteil war, dass meine Beine, mit den 2500 Hm von Lanzarote in den Knochen, doch sehr froh waren, dass es hier fast völlig flach war.
Ich glitt durch den sanften Wind und versuchte nicht allzu übermütig in die Pedale zu hauen, um meine Muskeln für den anschließenden Lauf unter der glühenden Sonne zu schonen.

Die Laufstrecke war ebenfalls geändert worden. Statt drei Runden, wobei man unter anderem immer an der heftig duftenden Fischhalle vorbeilaufen musste, ging der Kurs nun in zwei Runden über das Wahrzeichen Pescaras, der gewaltigen Brücke, Ponto al mare, die über dem Hafen ragt. Dadurch kamen über zweihundert Höhenmeter zustande. Außerdem führte die Strecke nun auch durch den hübschen Park, dem Pineta di Pescara, mit angenehm schattigen Trails.

Die Sonne machte aber auch in diesem Jahr auf den meist schattenlosen Teilen wieder vielen Athleten zu schaffen und meine Oberschenkel waren knallrot verbrannt. Beim letzten Anstieg auf der Brücke war ich, von denen, die gerade auf der Brücke waren, die einzige, die noch laufend hinaufkam, alle anderen, die ich sah, hatten den Gehmodus gewählt.
Wasser gab es diesmal in kleinen Flaschen. Beim letzten Mal gab es dort einen Engpass und man reichte den Teilnehmern Wasser in Bechern, das übel chemisch schmeckte und von der Sonne ganz warm war. Damals musste ich mich zwei Tage lang nach dem Wettkampf übergeben und hatte, nachdem ich erfuhr, dass es vielen so ging, eigentlich beschlossen dort nicht mehr teilzunehmen. But everybody needs a second chance.

Blasenfrei und ohne Schmerzen kam ich nach 5 Stunden und 46 Minuten glücklich ins Ziel und ließ mir meine Medaille diesmal mit den Zeiten und dem 2. Platz gravieren, den ich in meiner Altersklasse gemacht hatte.
Eine Awardparty gab es nicht, aber man hatte eine Blechbläsertruppe engagiert, die dem Publikum vor der Siegerehrung ordentlich einheizte. Bei der Slotvergabe blieb ich sitzen, als man meinen Namen aufrief, da die Erstplatzierte nicht mehr anwesend war, um den Slot zur Weltmeisterschaft in Südafrika anzunehmen, kam ich als zweitplatzierte in Frage. Die nächste freute sich und bedankte sich herzlich bei mir. Ich hatte ihr vorher schon gesagt, dass ich ablehnen würde. Ich will nicht zur Halbtdistanz nach Südafrika. Wenn Südafrika, dann zur Langdistanz.

Hier möchte ich mich bei allen bedanken, welche mir wieder die Daumen gedrückt hatten. Meine Kinder und Stefan hatten mich wieder getracked und so erfuhr ich gleich nach dem Rennen, dass ich als fünfte aus dem Wasser kam und somit noch vier Teilnehmerinnen aus meiner Altersklasse überholt hatte.

Danke auch an Stefan, der zwei Tage nach Lanzarote wieder seinen Koffer packte und mit mir nach Italien fuhr. Außerdem hatte er mich morgens zur T1 begleitet und die Luftpumpe wieder mitgenommen, die man nicht in der Wechselzone lassen durfte. Vielen Dank auch an alle, die mir so lieb zu meinem 3. Platz AK in Lanzarote gratuliert und mich ermuntert haben die Hoffnung auf Hawaii nicht aufzugeben.