Von Dirty-Dancing über den Ironman zur Personal- Gym-Lounge

Triathlon? Das ist doch das mit dem Schießen, oder?

So dachte ich 1987 zu Dirty-Dancing-Zeiten, bereits Mutter von zwei Kindern und immer noch in allerbester Feierlaune. Ich ließ keine Party in Wiesbaden aus, rauchte wie ein Schornstein Selbstgedrehte mit Zigarettenspitze, machte eine Schauspielausbildung, spielte Theater und ging einigermaßen regelmäßig ins Fitnessstudio. Als ich einmal mit einem Freund joggen wollte, sah ich nur noch eine Staubwolke von ihm vor mir und glaubte, dass ich im Ausdauerbereich für mehr als zum Spazierengehen nicht taugen würde. Dies bestätigte sich nochmal als ich mit meinem Mann Stefan 1997 auf dem „Bright Angel-Trail“ im Grand Canyon wanderte und während des Rückweges, steil nach oben, vor Erschöpfung in Tränen ausbrach und ich konnte nur staunen, dass Stefan mit seiner schweren Fototasche noch nicht einmal keuchte. Von da an wollte ich etwas ändern und nahm mir vor, ab sofort regelmäßig etwas für meine Kondition zu tun. Von dem Wunschgedanken bis zum Umsetzen in die Tat, dauerte es allerdings wiederum ein Jahr, bis ich mein Vorhaben auch verwirklichte.

Angekommen am schönen Starnberger See, begann ich regelmäßig die Uferstraße entlang zu traben. Zunächst abwechselnd im Geh- und Laufschritt, bis ich es schließlich schaffte 15 Minuten am Stück durchzulaufen. „Du bringst dich noch um“, meinte Stefan, als ich das erste Mal eine 12km-Runde joggte. Wir gingen viel in die Berge, fingen mit dem Skifahren und Klettern an und umrundeten 2005 mit Reinhold Messner den Nanga Parbat. Dort traf ich auf eine Teilnehmerin unserer Expedition, welche bereits einen IRONMAN absolviert hatte und die mir erklärte, dass Triathlon nicht unbedingt etwas mit Schießen zu tun hatte. Das Laufen wurde für mich nun wichtig, um bei all den Unternehmungen mithalten zu können, bei welchen ich häufig eine der wenigen weiblichen Teilnehmerinnen, oder oft sogar die einzige Frau war. Ich meldete mich in einem Fitnessstudio an, in welchem ein ehem. Deutscher Meister im 400 m Hürdenlauf, mir in seiner Laufgruppe die Grundlagen des Laufens nahelegte und seine Läufer schließlich zum Marathon in Berlin brachte. Nach einem Bänderriss unternahm ich meine ersten Kraulversuche im Hallenbad, schluckte jede Menge Wasser, hatte ständig Wasser im Ohr und gab dennoch nicht auf. Ich fand einen Schwimmlehrer, ein ehemaliger Olympiateilnehmer und Europameister, der mich schließlich befähigte so zu kraulen, dass es einigermaßen Sinn machte, sich vom „Omabrüsteln“ (danke für das tolle Wort, lieber Wigald Boning) zu verabschieden. Der Triathlon steckte mir in der Nase. Ich wollte nun auch aufs Rad. Hans Neuberger, begnadeter Rennradfahrer und Langläufer, wies mich in die Geheimnisse des Rennradfahrens ein. Schonungslos korrigierte Hans immer wieder mit mehr oder weniger Geduld meine Fahrtechnik, Fußstellung und Körperhaltung auf dem Rad, mein Arsch tat höllisch weh, Rücken und Nacken schmerzten und ich ging nach 80 Kilometern wie auf Eiern. Doch bald war das ausgestanden, mein Körper passte sich auch dieser neuen Belastung an und spielte freudig mit. Ich meldete mich zu einem Triathlonwettkampf an und suchte mir nicht etwa eine Kurz-, sondern gleich die olympische Distanz aus. Ich setzte mir mit meinen Wettkampfterminen beim Laufen und im Triathlon immer neue Ziele und kam 2011 schließlich zu meinem ersten IRONMAN 70.3 in Wiesbaden, einer Halbdistanz. Nach einem schweren Unfall im Juli 2012, bei dem mir eine Dame mit ihrem Auto die Vorfahrt nahm und ich über mein Rennrad auf dem Asphalt aufschlug, war meine Wettkampfsaison, die so schön angefangen hatte, vorzeitig beendet. Ich tröstete mich, indem ich mir ein hübsches Triathlonrad zulegte und setzte, sobald es ging, mein Training wieder fort.

Nachdem ich 2013 ein Trainingslager von Tricamp in Zypern besucht, einige Wettkämpfe bestritten, eine Ausbildung zur medizinischen Fitness- und Personaltrainerin gemacht hatte und feststellen konnte, dass mein selbstgestalteter Trainingsplan aufging, fasste ich den Entschluss, mich für 2014 zur Langdistanz IRONMAN European Championship in Frankfurt anzumelden. In diesem Jahr habe ich die Finca der Tricamper in Mallorca besucht und unter den Augen von Tobias Heinze und Henning Leppek professionelles Schwimm-Rad- und Lauftraining genossen. Und natürlich habe ich wiederum an einigen vorbereitenden Wettkämpfen teilgenommen, darunter war der wunderschöne IRONMAN 70.3 in St.Pölten, mit seiner phantastischen Radstrecke und dem Cheerleaderempfang beim Zieleinlauf. Die letzten Monate vor meinem großen Vorhaben in Frankfurt waren angefüllt von meinem nun sehr anspruchsvoll gestaltetem Trainingsplan und meiner Arbeit im Fitnessstudio Extrafit in Wolfratshausen. Für alles andere blieb nicht mehr viel Zeit und in meinem Kopf nahm der Traum vom Zieleinlauf in Frankfurt immer mehr Raum ein. Über etwas anderes als vom Triathlon zu sprechen fiel mir schwer. Der große Tag rückte immer schneller näher und näher. Würde ich es tatsächlich schaffen, 3,8 km zu schwimmen, 180 km zu radeln und dann zum Nachtisch 42,195 km einen Marathon zu laufen? Schließlich hatte ich bisher nur die Hälfte davon bestreiten müssen. In den Ergebnislisten fand ich viele DNF, „Did not finished“. Aber das war für mich noch nie eine Option. Die Tage vor der Abfahrt nach Wiesbaden vergingen wie im Flug und ich konnte es kaum noch abwarten zu starten. Ich fühlte mich bereit für den großen Tag in Frankfurt. Für alle die es interessiert, wie es mir dabei ergangen ist verweise ich auf meine Geschichte, „Ironman Championship Frankfurt 2014“, in der ich detailliert auf diesen Wettkampf eingehe. Nur so viel: Ich kam glücklich lachend, gesund nach 13:06 Std ins Ziel. Im August nahm ich mir aus lauter Übermut nochmal den Ironman 70.3 in Wiesbaden vor und schaffte es abermals schneller als im Vorjahr ins Ziel zu kommen. Der München-Marathon setzte den Schlusspunkt aller größeren Wettkämpfe in diesem Jahr. Danach hatte ich endlich mehr Zeit meine Personal-Gym-Lounge aufzubauen, Konzepte zu entwickeln und Trainingsprogramme aufzustellen. Hier will ich natürlich keine Langdistanz-Triathleten ausbilden, sondern möchte mit meinen Kunden individuell an deren Fitness arbeiten. Ob es sich dabei um medizinische, oder Bodyshape- Bereiche, oder um bessere Leistungen im Sport geht: mir ist es wichtig für jeden Bedarf ein gutes Trainingsprogramm zu entwickeln und jeden nach seinen Möglichkeiten zu fördern und natürlich auch zu fordern. Immer wieder auf der Suche nach neuen Projekten werde ich auch hier versuchen mein Ziel zu erreichen.